Spielbericht FSV Rempesgrün - TSV Trieb1887
Es gibt Fußballspiele, die verliert man. Und es gibt Fußballspiele, nach denen man sich fragt, ob man nicht besser zu Hause geblieben wäre. Also zumindest als Zuschauer. Ich war nicht vor Ort und kenne das Geschehen lediglich aus Erzählungen. Was den Vorteil hat, dass ich mir die schlimmsten Szenen nicht ansehen musste. Was wiederum den Nachteil hat, dass ich mir ich den Rest vorstellen muss. Und das ist manchmal deutlich schlimmer. Dabei fing alles durchaus erfreulich an. Poppi konnte in der 23. Minute den Faden von Jaco in die richtige Richtung lenken und die Führung erzielen. Ein Moment, in dem man sich kurz zurücklehnt und denkt: Heute könnte was gehen. Vielleicht sogar drei Punkte. Vielleicht ein entspannter Nachmittag. Vielleicht gewinnen wir so souverän, dass man hinterher nicht einmal weiß, worüber man im Spielbericht schreiben soll. Es kam anders. Bereits in der 34. Minute der Ausgleich und in der 39. Minute der Rückstand. In der zweiten Hälfte ging es so weiter. Innerhalb von gerade einmal zehn Minuten kassierte unsere Mannschaft drei Gegentore. Zehn Minuten! Das ist ungefähr die Zeit, die man braucht, um einen Kaffee zu kochen, festzustellen, dass man keine Milch mehr hat, und sich anschließend über die eigene Lebensplanung Gedanken zu machen. Zwar konnte Jaco in der 77. Minute nach einer zauberhaften Flanke durch Poppi per Direktabnahme noch verkürzen, aber am Ende stand ein 2- 6 auf der Anzeigetafel. Das ist ein Ergebnis, bei dem selbst der Taschenrechner kurz innehält und fragt, ob er wirklich alles richtig verstanden hat. Man führt 1:0 und verliert anschließend mit vier Toren Unterschied. Das ist nicht einfach eine Wendung im Spiel. Das ist eine komplette Neuverhandlung der eigenen Erwartungen. Was genau zwischen der Führung und dem Schlusspfiff passiert ist, kann ich leider nicht mit letzter Sicherheit sagen. Ich war nicht dabei. Ich möchte hier auch keine Tatsachen erfinden. Das überlasse ich Menschen, die im Internet Fußball analysieren und dabei grundsätzlich wissen, wer hätte laufen müssen. Was wir wissen: Zwei eigene Tore reichen nicht, wenn man hinten sechs kassiert. Das ist mathematisch unangenehm, sportlich ernüchternd und emotional ungefähr so wohltuend wie ein nasser Ärmel beim Händewaschen. Natürlich ist eine Niederlage kein Weltuntergang. Die Erde dreht sich weiter, der Rasen wächst und nächste Woche warten die Rebesgrüner. Die werden sich vermutlich nicht dafür interessieren, wie das letzte Spiel gelaufen ist. Fußball ist da gnadenlos. Er hat kein Gedächtnis. Nur eine Tabelle.
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